Sonntag, 2. Juni 2013

Deutschland hat sein nächstes Topmodel!..... Einige persönliche Gedanken!

Am Donnerstag war es wieder soweit. Unter viel Gekreische wurde wieder Germany's next Topmodel by Heidi Klum gekrönt.

Ein paar Wochenende zuvor war es der neue Superstar Deutschlands, den Dieter Bohlen mit seiner Jury nach vielen Wochen und tausenden von Castings dem Land zur Wahl präsentierte.

Abgesehen von den vielen peinlichen Momenten, die in diesen Sendungen präsentiert werden, frage ich mich, was diese Shows eigentlich mit denen machen, die im Hintergrund bleiben, in ihrem stillen Kämmerlein... mit denen, die niemand wahrnimmt. Wird diesen Menschen nicht direkt oder indirekt Gewalt angetan?

Respekt Ja - Gewalt Nein (c) Gisela Peter  / pixelio.de
 Es ist ja letztendlich nur eine Seite der Medallie, dass man den Teilnehmern dieser Sendungen vorhalten kann, sie wüssten ja, was auf sie zukommt (obwohl ich mir da bei manch einem Protagonisten nicht wirklich sicher bin). Wenn jemand denkt, er sei ein begnadeter Sänger (ihm dies vielleicht auch noch aus seinem Umfeld eingeredet wird) und sich dann vor die Jury stellt, die ihn dann eines Besseen belehren muss, mag nun wirklich in seine Verantwortung liegen.

Dass dann wiederum diese gescheiterten Kandidaten in kurzen Spots zur besten Sendezeit am Samstag Abend einem Millionenpublikum in einer Form als Idioten präsentiert werden, die an Unwürdigkeit kaum noch zu überbieten ist, mag man nun auf den Quotendruck schieben.

Aber geht möglicherweise in den Köpfen des überwiegend jungen Publikums zu Hause vor, die sich diese Sendungen nunmal mit Vorliebe ansehen?

Vielleicht: Du musst genauso schlank sein, wie diese Mädels bei Heidi Klum?
Vielleicht: Du musst berühmt werden, damit du gesehen wirst?
Vielleicht: Du musst nicht gebildet sein, um "wer" zu sein, es reicht, wenn du gut aussiehst, mit den richtigen Klamotten, dem richtigen Outfit?
Vielleicht: Der Respekt vor Andersdenkende, vor Klassenkamaraden, die anders sind, ist Blödsinn? Die Erwachsenen machen es uns in den Sendungen ja vor, dass man Menschen ohne weiteres bloss stellen und blamieren kann...
Vielleicht: Du musst im Leben immer gegen die anderen kämpfen? Du darfst keine Schwäschen zeigen?

Vielleicht: Du bist, so wie du bist, nicht in Ordnung?

Vielleicht überschätze ich die Wirkung dieser Sendungen? Vielleicht aber auch nicht... Gibt es vielleicht doch Parallelen dazu, dass das Thema Mobbing an Schulen immer häufiger anzutreffen ist?

Wäre es stattdessen nicht viel besser, für unsere Jugendlichen, für unsere Gesellschaft, wenn die Botschaft vermittelt würde:

"Ich bin OK! Du bist OK!"

Möglicherweise würde es vielen Menschen neues Selbstvertrauen geben, sich den wirklichen Aufgaben im Leben zu stellen und nicht in einer Traumwelt vom berühmten Star zu leben, die sich de facto nur in den allerwenigsten Fällen erfüllt. Kennen Sie noch den Superstar, das Supertalen oder das Topmodell aus dem letzten Jahr? Ach, wieso eigentlich nicht?

Wir sind alle einzigartige Menschen, mit unseren Stärken und unseren Schwäschen. Mit unseren Ängsten und Sorgen.

Sie werden sagen, dass es die Sendungen ja nur gibt, weil sie ein Publikum finden? Dass eben dieses Publikum eben nach diesen Blossstellungen giert? Das mag aktuell (noch) so sein... aber wer ist denn das Publikum? Jeder kann ja immer wieder entscheiden, ob er lieber ein-, oder doch besser um- bzw. ausschaltet...

Vielleicht denken wir einfach beim nächsten Mal nur kurz darüber nach, wenn es wieder heißt: Deutschland sucht den Superstar oder das Supertalent.

Herzliche Grüße
André Leyens




Freitag, 21. September 2012

Absolut lesenswert!!



Liebe Leserinnen, lieber Leser,

ich möchte mich aus der „Sommerpause“ mit einer weiteren Buchempfehlung für die nun kommende dunkle Jahreszeit zurückmelden.

Es handelt sich im die Biografie einer der großen Persönlichtkeiten aus dem Wirtschaftsleben der letzten Jahrzehnte, Steve Jobs.

Wir kennen ihn alle durch die fantastischen Produkte, die er auf den Markt brachte. Viele von Ihnen werden das eine oder andere besitzen. Er hat über die Jahre eine wahre Fangemeinde um sich geschart, ähnlich einem Popidol.

Doch wer war Steve Jobs wirklich? Wie dachte er? Welche waren seine Überzeugungen? Wie sahen ihn die Menschen, die ihn begleitet haben? Seine Familie, seine Geschäftspartner? Wie war sein Verhältnis zu Bill Gates?

Wie entstand Apple? Wie erlebte er seinen Rausschmiss dort? Und warum stiegt er dann doch wieder ein? Welche Ziele verfolgte Jobs, die zu Mac, iPod, iPhone und iPad führten?

Alle diese Fragen werden in eindrucksvoller Weise in dem Buch von Walter Issacson beantwortet.
  
Steve Jobs war einer der größten amerikanischen Innovatoren – mutig genug, um anders zu denken, verwegen genug, um zu glauben, er könne die Welt verändern und talentiert genug, es tatsächlich zu tun“ (Barack Obama)

Er (Jobs) ist sehr empfindsam. Das ist es, was sein antisoziales Verhalten, seine Grobheit, so unbegreiflich macht. Ich verstehe ja, dass unsensible Leute grob zu anderen sind, aber jemand, der so empfindsam ist? Einmal habe ich ihn gefragt, warum er immer so ausrastet. Er sagte: „ Ich raste aber nicht lange aus.“ Er ist wie ein Kind, das sich furchtbar über irgendetwas aufregt und es sofort wieder vergisst. Aber manchmal, glaube ich, ist er wirklich sehr frustriert, und seine Art, sich davon zu befreien, ist, es an jemand anderem auszulassen. Außerdem glaube ich, dass er sich dazu berechtigt fühlt. Er denkt, er muss die normalen Regeln des sozialen Miteinanders nicht beachten. Weil er so empfindsam ist, weiß er genau, wie man jemanden am besten trifft, um ihn zu verletzen. Und das tut er auch. Nicht sehr oft. Aber von Zeit zu Zeit.“ (Jonathan Ive, Leiter der Designabteilung bei Apple) (S. 545)

„Meine Leidenschaft bestand darin, eine überdauernde Firma aufzubauen, in der Leute motiviert waren, großartige Produkte herzustellen. Alles andere war zweitrangig. Sicher, es war toll, dass wir Profit machten, denn das erlaubte mir, großartige Produkte herzustellen. Doch meine Motivation waren die Produkte, nicht der Profit ….. Unser Aufgabe ist es herauszufinden, was die Leute wollen, ehe sie es selbst herausfinden. Ich glaube, dass Henry Ford einmal gesagt hat: „Hätte ich meine Kunden gefragt, was sie haben wollen, hätten sie mir geantwortet: „Ein schnelleres Pferd!““……. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute sich selbst als „Unternehmer“ bezeichnen, wenn sie in Wirklichkeit nur versuchen, ein Start-up aufzubauen, es dann zu verkaufen oder an die Börse zu bringen, um entsprechend abzukassieren und daraufhin anderswo weiterzumachen. Sie sind nicht bereit, die Arbeit auf sich zu nehmen, die für den Aufbau einer echten Firma notwendig ist. Dies ist die schwerste Aufgabe, die es im Geschäftsleben gibt. Auf diese Weise trägt man wirklich etwas bei und fügt dem Vermächtnis derer, die vor einem da waren, etwas hinzu. Man baut ein Firma auf, die auch noch eine oder zwei Generationen von heute aus gesehen für etwas stehen wird. Genau das haben Walt Disney, Hewlett und Packard und die Leute, die Intel aufbauten, getan. Sie schufen eine Firma, die bleibt, nicht nur eine zum Geldverdienen. Ich wollte erreichen, dass Apple genau so eine Firma ist…… Was hat mich angetrieben? Ich denke, die meisten kreativen Menschen wollen ihre Anerkennung dafür zum Ausdruck bringen, dass es ihnen möglich war, die Arbeit anderer, die vor uns waren, zu nutzen.“ (Steve Jobs über sich selbst, Auszüge aus den Seiten 661 bis 666)

 Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Sie werden womöglich manches Mal innehalten, sei es vor Entrüstung, sei es vor Betroffenheit oder aber auch weil Sie dieser Mensch, sein Verhalten und seine Ansichten einfach nur berühren und bewegen.

Herzliche Grüße
André Leyens

Samstag, 14. Juli 2012

Hofgang im Handstand - Mein Weg in die Freiheit von Uwe Woitzig

Uwe Woitzig
 
Hofgang im Handstand
 
Mein Weg in die Freiheit
336 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
€ 19,99 [D]
€ 20,60 [A]
CHF 30,90
ISBN: 978-3-7787-9224-7
Integral Verlag, ET: September 2011
 
„Zwei elementare Katastrophen sind es, die den Menschen seit jeher schicksalhaft heimgesucht haben: Krankheit und Krieg. Beide haben den Menschen immer wieder dazu veranlasst, notwendige Fragen zu stellen, nach dem Lebenssinn, ….. Es gibt noch eine dritte elementare Katastrophe: das Gefängnis…… Ins Gefängnis zu kommen ist wie ein kleiner Tod.“
So beginnt der Autor sein Vorwort zu „Hofgang im Handstand“, ein aus meiner Sicht lesenswertes Buch, in dem er seinen Niedergang aus einer Welt schildert, in der wohl von uns sehr gerne viele leben würden, einer Welt, in der einem alles zur Verfügung steht, was man für Geld kaufen kann, die tollsten Ferienorte, die tollsten Hotels, ein Leben in Saus und Braus in der „High Society“ der Stars und Sternchen.
Und doch bemerkt Uwe Woitzig, der mit 35 Jahren als Eigentümer einer Privatbank mit Büros in Monte Carlo und New York bereits alles erreicht hat, wie oberflächlich die zwischenmenschlichen Beziehungen in dieser Welt der Reichen und Schönen sind. Doch bewusst machen, sich dieser Tatsache stellen, das kann er (noch) nicht!
Erst als er die Renditeversprechen, die er seinen Kunden gemacht hat, nicht mehr einhalten kann, sein berufliches Werk wie ein Kartenhaus zusammenbricht und er sich letztendlich nach einer mehrere Wochen dauernden Flucht vor den Behörden der Justiz stellt, beginnt bei ihm ein Prozess des Umdenkens, der er in diesem Buch auf beeindruckende Art geschildert wird.
Zunächst scheint der Vergleich, den er zwischen dem Leben im Knast und dem Alltag des Menschen in unserer modernen Gesellschaften weit hergeholt. Wer möchte schon gerne zugeben, dass der Alltagstrott, mit seinen mehr oder weniger geduldeten Fremdbestimmungen, im Grunde auch nichts anderes als ein virtuelles Gefängnis ist.
Seine These ist, dass wir alle die Fähigkeiten haben, die Fesseln unserer inneren Gefängnisse zu sprengen, „wie ein Phönix aus der Asche, gestärkt an Körper, Seele und Geist, selbst-bewusst – das heißt, sich seines Selbst bewusst – wieder aufstehen aus den Trümmern eines dahindämmernden Lebens, um den Mast zu setzen, den Anker zu lichten und den alten Hafen mit den durch die Familie, Schulen und Universitäten erzeugten Programmierungen und den angenommenen roboterhaften Verhaltensautomatismen zu verlassen. Um von nun an authentisch, das heißt natürlich und gelöst, zu leben. Und dadurch nicht nur die Früchte der bedingungslosen Liebe zu pflücken, sondern auch das Glück des inneren Gleichmuts und der individuellen Freiheit erfahren zu können.“
Die grundlegende Botschaft lautet: „Nimm alles, was dir widerfährt, dankbar an!“
Getrieben von diesem Leitsatz beschließt Woitzig, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen, Kapitän seines Lebens zu werden. Dazu nutzt er die Zeit im Gefängnis, das, wie er schreibt „ihn vor der Gesellschaft schützt“. Will sagen, vor dem so sein zu müssen, wie man meint, sein zu müssen.
Er schildert das Prinzip des Pendels, nachdem nur ein Mensch, der großes Leid empfinden kann, auch zu großer Freude fähig ist. „Demzufolge muss jeder Mensch sich entsprechend weit zur anderen Seite des Empfindens bewegt haben, bevor er in der Lage ist, große Freude oder Glück zu erleben.“
So begibt sich der Leser mit dem Autor auf die Reise zu seinem wahren Wesen. Von den bedrückenden Angstgefühlen, die einen beim bloßen Gedanken an eine Gefängniszelle heimsuchen, über die inneren Konflikte, ausgelöst durch den Spagat zwischen „Zulassen und Loslassen“ des eigenen Egos, der Ereignisse, hin zu den neuen Erfahrungen des Lebens im „Hier und Jetzt“, getragen vom dankbaren Annehmen dessen was ist.
Der Leser wird in vielen Phasen dieses Buches Trittbrett fahren und sich der Selbstreflexion hingeben (müssen). Er wird vieles auf den Prüfstand stellen, was er tagtäglich mit seinem Leben anfängt und was er sich damit antut.
Und das ist gut so!
Für mich ein Buch, das Mut macht. Mut,
-          den Lichtstrahl auf das Leben zu lenken
-          sich und seine Verhaltensweisen und Gedankenspiele zu hinterfragen
-          sich dem Fluss des Lebens hinzugeben
-          sich aus dem inneren Gefängnis nach und nach zu befreien.
Für mich ein sehr authentisches Buch!
André Leyens

Sonntag, 1. Juli 2012

Das Leben lebt sich vorwärts, verstanden wird es rückwärts!

Pfeil (c) Judith Lisser-Meister  / pixelio.de
Die deutsche Elf ist am letzten Donnerstag gegen Italien im Halbfinale der UEFA-Europameisterschaft ausgeschieden. Und gleich danach ging es los mit der Kritik:

Kritik an den Spielern, am Trainerteam, an der Austellung. Zahlreich waren die, die es schon immer gewusst hatten, dass das "so ja nichts werden konnte". Einige gingen gar soweit, den sofortigen Rücktritt von Löw zu fordern. Mario Gomez, ein paar Tage vorher, als er aus einer Drehung heraus sein geniales Tor schoß, noch der Held der Nation, hatte auf ein Mal nur noch "die Haare schön".... Hätte die deutsche Elf am Donnerstag gewonnen, würden wahrscheinlich die gleichen Leute nur noch des Lobes für aller Beteiligten sein.

Ja, im Nachhinein ist man, sind wir immer schlauer. Doch leider müssen die Entscheidungen vorher getroffen werden, in einer Situation, wo wir eben nicht wissen (können), wie die Dinge tatsächlich ausgehen. Dies müssen wir tagtäglich viele Dutzend Male tun, mal mit weniger, mal mit mehr Tragweite unserer getroffenen Entscheidungen.

Das Zitat in der Überschrift stammt aus dem Buch "Hofgang in Handstand" von Uwe Woitzig, das ich gerade gelesen habe und ich finde, es passt sehr gut in diese aktuelle Debatte.

Wie schnell sind wir mit unserer Kritik bei der Sache? Kritik an den Vorgesetzten, an den Firmenchefs? Kritik am Staat,an der Regierung? Und eben auch Kritik an der deutschen Elf?

Doch wie sieht es auf der anderen Seite aus, wenn es darum geht, selbst in den Ring zu steigen, selbst Verantwortung zu übernehmen?

Wie oft höre ich da, "ich kann doch daran gar nichts ändern", "die da oben verdienen mehr Geld als ich, sollen die da oben mal machen!"

Wenn wir es doch besser wissen, was spricht dann dagegen, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einzubringen? Doch dazu fehlt dann oft der Mut. Tatsache ist, wenn wir Verantwortung übernehmen, machen wir uns auch ein Stückweit angreifbar. Wie begeben uns automatisch in eine exponierte Position, wir werden meßbar. Angenehmer ist es da wahrscheinlich schon, aus der Anonymität zu kritisieren.

Im Internet nimmt dieses Verhalten stetig zu. Wie viele schreiben dort, geschützt durch Ihre "Decknamen", was sie über dies oder jenes denken. Dort werden teilweise ungeprüfte Aussagen, Gerüchte über Personen des öffentlichen Lebens in die Welt gesetzt, die dann einen Flächenbrand auslösen. Konsequenzen für die Autoren? Keine! Für die Betroffenen? Zum Teil gigantische!

Löw hat Verantwortung übernommen, hat Entscheidungen getroffen. Sie waren in den letzten 14 Pflichtspielen der deutschen Elf richtig! Im 15. Spiel hat sie sich als falsch herausgestellt! Aber wie gesagt, feststellen konnten wir dies erst im Nachhinein!!!!

Wenn wir das nächste Mal kritisieren wollen, so lassen Sie uns doch gemeinsam daran denken: "Das Leben lebt sich vorwärts, verstanden wird es aber rückwärts".

In diesem Sinne, einen schönen Sonntag
Ihr André Leyens


Sonntag, 24. Juni 2012

Die Geschichte vom Licht… oder warum auch das schlechte Wetter einen Sinn hat!


Es war einmal... (c) Daniela Dirscherl  / pixelio.de
Die Schweden feiern Mittsommer, doch in unseren Breiten macht der Sommer mal wieder Pause. Regen, Regen, immer wieder Regen… Schöner wäre es sicherlich, wenn es mal ein paar Wochen am Stück so richtig sommerlich wäre, oder?

Ist das dann der Fall, heißt es „Zu warm! Zu trocken!,… zu dies, zu jenes..

Wir könnten diese „Wetter-Geschichte“ auch ganz leicht auf eine andere Ebene heben und schon könnten wir uns Fragen stellen wie:

-         Warum können wir nicht jeden Tag Erfolg haben?
-         Warum verlässt uns das Glück ?
-         Warum gibt es solche und solche Tage? Tage „Mit“ und Tage „Ohne“?

Dazu ist mir – es ist schon einige Zeit her – die folgende Geschichte in die Hände gefallen. Sie stammt aus dem Buch „Gespräche mit Gott – Band 1 (Seite 63 ff).

Es war einmal eine Seele, die isch als das Licht erkannte.. Es war eine sehr neue Seele und deshalb war sie auf Erfahrung erpicht.
„Ich bin das Licht“, sagte sie. „Ich bin das Licht!“
Doch all dieses Wissen und Aussprechen konnte die Erfahrung davon nicht ersetzen. Und in dem Reich, aus dem die Seele auftauchte, gab es nichts außer dem Licht. Jede Seele war großartig, jede Seele war herrlich, und jede Seele erstrahlte im Glanz Gottes ehrfurchtgebietenden Lichts. Und so war die kleine Seele eine Kerzenflamme in der Sonne. Inmitten des grandiosesten Lichts – von dem sie ein Teil war – konnte sie sich selbst nicht sehen und auch nicht erfahren, wer-und-was-sie-wirklich-ist.
Nun geschah es, dass diese Seele sich danach sehnte und verzehrte, sich selbst kennenzulernen. Und so groß war ihr Verlangen, dass Gott eines Tages zu ihr sagte:
„Weißt Du, Kleines, was Du tun musst, um Dein Verlangen zu befriedigen?“
„Oh, was denn, Gott? Was? Ich werde alles tun!“, sagte die kleine Seele.
„Du musst Dich vom Rest von uns trennen, gab Gott zur Antwort, „ und dann musst Du für Dich die Finsternis herbeibeschwören!“
„Was ist die Finsternis, O Heiligkeit?“, fragte die kleine Seele.
„Das, was Du nicht bist!“, erwiderte Gott, und die Seele verstand.
Und so entfernte sie sich von Allem und machte sich sogar in ein anderes Reich auf. Und in diesem Reich hatte die Seele die Macht, sämtliche möglichen Formen von Finsternis in ihre Erfahrung zu rufen. Und das tat sie auch.
Doch inmitten all der Finsternis rief sie aus: „Vater, Vater, warum hast Du mich verlassen?“
So, wie wir das auch in unseren dunkelsten Zeiten getan haben und tun. Doch Gott hat uns nie verlassen, sondern uns immer zur Seite gestanden, bereit, uns daran zu erinnern, wer-wir-wirlich-sind; bereit, immer bereit, uns nach Hause zu rufen….
….
„Und wisst, dass das, was ihr in den Zeiten Eurer größten Prüfungen tut, Euer größter Triumph sein kann. Denn die von Euch erschaffene Erfahrung ist eine Aussage darüber, was-ihr-seid undwer-ihr-sein-wollt!

Möglicherweise ist es einfach so, dass wir „weiß“ nur beschreiben können, in dem wir oder gerade weil wir „schwarz“ kennen? Dass wir „Freude“ nur dann erleben können, weil wir auch traurige Phasen gekannt haben? Dass wir erst dann „Glück“ wahrhaftig schätzen lernen können, weil wir in unserem Leben auch das „Unglück“ erfahren mussten?

Deshalb:
Sonne oder Regen – Gute oder schlechte Laune – Freude oder Leid ….
Glück oder Unglück…. All dies macht unser Leben erst zu dem, was es ist!

Und – wie wir bereits an anderer Stelle beschrieben haben – wir haben die Wahl! Wir entscheiden, welche Bedeutung wir den Dingen, den Ereignissen geben, immer in dem Wissen, dass wir nur die Aufgaben gestellt bekommen, die wir mit unseren aktuell vorhandenen Fähigkeiten auch lösen können.

Deshalb: Glück oder Unglück? Wer weiß das schon? J

Donnerstag, 7. Juni 2012

Wie uns "Denkfehler" doch noch helfen können...

Wenn wir komplexe Situationen oder Gegebenheiten einschätzen sollen, sucht unser Gehirn nach Vergleichssituationen und -Erfahrungen. Soweit, so gut.

Anker im Wedeler Hafen (c) Gabriele Planthaber/pixelio.de
Doch wenn es die nicht findet oder erinnert, dann passiert folgendes: das Gehirn blendet einen Teil der Informationen aus oder orientiert sich an absolut willkürlichen Werten. Anders gesprochen: es "ankert" seine Entscheidungen an beliebigen "Erfahrungen". Um diesen "Ankereffekt", auch "Ankerheuristik"genannt und wir wi ihn für uns nutzen können, geht es in diesem Beitrag.

Nachgewiesenerweise können wir uns diesem Effekt nicht entziehen, weshalb es Sinn macht, ihn kennen zu lernen und nutzbar zu machen.

Zunächst noch ein paar Worte zum Prozeß. Was passiert mit uns?


Wie schon beschrieben, orientiert sich unser Gehirn, mangels "Erfahrungswerte", an beliebige Werte. So wurden Menschen gebeten, Ihre Telefonnummer aufzuschreiben. Davon dann falls nötig die ersten Ziffern zu streichen, so dass nur noch 4 Ziffern übrig bleiben (so wurden unterschiedlich lange Telefonnummern "gleichgeschaltet"). Anschließend bat man sie die Anzahl der Personen zu schätzen, die einen bestimmten Beruf in ihrer Stadt ausüben (zB. Anwalt, Arzt, Fnanzdienstleister) zu schätzen. Die Personen mit der "höheren" Telefonnummer nannten vergleichsweise auch höhere Zahlen für die Berufstätigen... obwohl die eine Zahl (absolut) gar nichst mit der anderen zu tun hat.


Die Psychologen Kahnemann und Tversky machten bereits 1974 folgendes Experiment: Sie fragten die Versuchspersonen nach der Zahl afrikanischer Staaten in der UNO, während sie den Versuchsleiter dabei beobachte, wie er ein Glücksrad mit Zahlen zwischen 0 und 100 drehte. Auch hier kam folgendes Eregbnis heraus: auf hohe Zahlen folgten hohe Antworten, obwohl die Probanten ja nun wussten, dass zwischen den Zahlen keinerlei Zusammenhang bestand.

Hier greift in allen Fällen die Macht der Gewohnheit, wie wir sie schon an anderer Stelle beschriben haben. Wir gewöhnen uns an die "Werte", die uns vorgestellt werden, seien sie nun belegt oder beliebig und leiten daraus unser späteres Handeln ab!

Werfen Sie also bei Ihrer nächsten Gehaltsverhandlung einige große Zahl in den Raum (Beachte: sie muss nicht im Zusammenhang mit dem eigentlichen Thema stehen). Ihr Chef wird tendenziell eher bereit sein, Ihre "großen" Gehaltserhöhung zuzustimmen. :-) ... Es kommt doch zumindest auf einen Versuch an, oder?

Die Ankerheuristik führt uns zu einem weiteren Phenomen, der "Verfügbarkeitsheuristik". Wir treffen oft Entschedund, ohne eine Statistik zu kennen, oder können eine solche nicht rational nutzen. Wir ersetzen demnach die statistischen Daten durch unsere Erinnerung. Anders gesagt:  woran wir uns leicht erinnern, das halten wir für wahrscheinlicher als das, woran wir uns schwer erinnern. Die Betonung liegt auf "leicht" und nicht auf "wie oft"...

In Spielhallen mit vielen Automaten ist es leichter zu beobachten, dass ein Spieler gewinnt, und so glauben die Besucher unbewusst eher an einen Gewinn und geben tendenziell mehr Geld aus als in kleineren Spielhallen. Dies könnte auch erklären, warum Menschen immer noch weiter rauchen, obwohl sie ja durch Werbe- und Aufklärungskampagnen genau wissen, dass sie das Rauchen gesundheitlich stark schädigen kann (es steht ja mittlerweile sogar auf den Verpackungen!). Aber die Erinnerung daran, wie jemand an Lungenkrebs oder Herzinfarkt vor ihren Augen stirbt ist eher schwerer, als die Erinnerung an einer Umweltkatastrophe, an einen Flugzeugabsturz, oder ähnlichem. Umgekehrt hat man wiederum feststellen können, dass Ärzte, die tagtäglich mit solchen Patienten zu tun haben, eher nicht mehr rauchen!

Wir können wir uns diesen Effekt nun für den Alltag nutzbar machen?

- Meiden Sie "bad news"! Befassen Sie sich mit den schönen Dingen des Lebens. So werden Sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt leichter an Gutes als an Schlechtes erinnern und somit unbewusst Ihre Entscheidungen durch die Verfügbarkeit guter Dinge beeinflussen.
- Wollen Sie etwas in Zukunft vermeiden oder sich etwas lästiges abgewöhnen, so konfrontieren Sie sich bildhaft immer wieder mit dem Sachverhalt, den Sie abegen möchten. Wollen/müssen Sie also abnehmen, so hängen Sie sich das Bild eines fettleibgen Menschen  an die Kühlschranktür...
- Stehen wichtige Entscheidungen oder Termine an, so denken Sie vermehrt an vergangene Erfolgserlebnisse. So werden Sie das Gelingen Ihres Vorhabens für wahrscheinlicher halten...

In diesem Sinne, viel Spaß bei Ihrer persönlichen "Heuristik"!

Ihr
André Leyens

Von Mitleid, Mitgefühl und (anderen) Schlägen...

Ahorn-Baumkrone - (c) Andrea Steffen/pixelio.de
Stellen Sie sich kurz die folgende Situation vor:

Während eines Spazierganges durch den Wald hören Sie plötzlich Kinderrufe. Sie bleiben stehen, schauen sich um und bald wird Ihnen klar: in der großen Eiche unweit von Ihnen sitzt ein kleines Kind weit oben in der Krone. Der Weg nach oben war für das Kind kein Problem, aber nun sitzt es da und kommt nicht mehr herunter.

Was machen Sie?
1. Sie trösten das Kind kurz, eilen zum nächstmöglichem Haus, um sich eine Leiter zu besorgen oder rufen gar direkt die Feuerwehr?
2. Sie klettern selbst hinauf und stellen oben fest, dass Sie nun auch nicht mehr hinunter kommen. Sie beschliessen fortan mit dem Kind auf die (unwahrscheinliche) Hilfe eines Dritten zu warten?
3. Sie tun so, als hätten Sie nichts gehört und setzten Ihren Spaziergang fort?

Ich denke, in dieser doch sehr offensichtlichen Situation, werden sich die meisten von Ihnen - Sie sehen, ich bleibe trotz allem vorsichtig in meiner Aussage :-) - für die erste Lösungsvariante entscheiden.

Doch im täglichen Leben liegen die Dinge nicht immer so offen auf der Hand und dort entscheiden wir uns dann doch auch schon mal für eine der beiden anderen Lösungen.

Die zweite Variante ist eine Metapher für das Mitleiden, das vielen Menschen eigen ist. Sie verwechseln hier Mitleid mit Mitgefühl.

Mitleiden heißt, den Schmerz des anderen anzunehmen, förmlich in ihn hineinzugehen, ihn zu seinem eigenen zu machen (assoziierter Ansatz). Mitfühlen hingegen bedeutet, sich eine Vorstellung dieses Schmerzes zu machen, in die Schuhe des anderen zu schlüpfen, um dann aber doch bei sich selbst zu bleiben (dissoziierter Ansatz).

In welcher (Gefühls-)Lage werden wir wohl eher in der Lage sein, unserem Gegenüber die bessere Hilfe zukommen zu lassen? 

Der Mitleidende ist nicht mehr in der Lage, sinnvolle Lösungsansätze zu entwickeln. Der Mitfühlende, der diese Situation seines Gesprächspartner von der eigenen absolut unterscheidet, wird es aber in der Regel sehr wohl noch tun können!!

Und was hat es jetzt mit der Lösungsvariante 3 auf sich, die jeder im oben beschriebenen Beispiel sicherlich als verantwortungslos abstempeln würde?

Nun, im Alltag fußt diese Variante auf einer Verwechslung. Die Verwechslung von Mitleid und Mitgefühl. Wenn wir dieser Verwechslung zum Opfer fallen, scheuen wir den Kontakt und die Begegnung mit Leid und Schmerz, mit Elend.... Wir halten uns fern von Beisetzungen, auch wenn es im unmittelbaren Umfeld des besten Freundes geschieht; wir wollen negative Äusserungen von Mitmenschen zu einer gegebenen Situation nicht hören, wir beteiligen uns nicht an Kritikgesprächen, auch wenn diese Kritik eines Tatbestandes durchaus berechtigt ist,... all dass, um uns nicht mit dieser Negativität zu "infizieren".

Das schlechte Gewissen, nicht zu helfen, ist allemal leichter zu ertragen, als vermeintlich die Verzweiflung des anderen zu seiner eigenen zu machen (wir sind immer noch bei der Verwechslung zwischen Mitleid und Mitgefühl).

Wohlgemerkt: dieses Verhalten ist nur menschlich, da wir ja als eigenständige Wesen eine egozentrische Sicht auf das Leben haben. Wir sehen die Dinge mit unseren Augen! So gehen wir auch wie selbstverständlich davon aus, dass andere die Dinge so sehen müssten wie wir selbst. Und so führt die Unwissenheit um die Zusammenhänge auch schon mal in die "Falle" von Lösungsvariante 3. Auch wenn wir sie im genannten Beispiel nie für möglich halten würden!

Wenn wir jedoch echte Anteilnahme und echtes Mitgefühl für unsere Mitmenschen zeigen, so erreichen wir zwei Dinge: wir ersparen uns "den Baum" und helfen dem Anderen auch noch runter vom "Baum"! :-)

Aber warum "schlagen" wir dann unseen Gesprächspartner?

Eine irritierende Frage? Nun ich will Ihnen helfen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Wir bleiben beim Thema und Sie haben für Ihren Ansprechpartner Mitgefühl aufgebracht. Bald schon sprudelt es aus Sie heraus: "An Deiner Stelle würde ich dies oder jenes tun!", "Hast Du schon einmal über dies oder das nachgedacht?", "Du müsstest Deine Sichtweise über diese Situation ändern und sie ab sofort mal so und so sehen.."..... Kommt Ihnen das bekannt vor?

All diese Ratschläge sind sicherlich sehr gut gemeint und wollen dem anderen nur helfen. Doch richten sie oftmals beim Hilfesuchenden auch (erheblichen) Schaden an. Ratschläge sind eben auch Schläge!

Warum ist das so? Nun, unsere Ratschläge stammen aus unseren Erfahrungen in eben dieser oder einer ähnlichen Lage. Und unsere Erafhrung ist eben nun mal unsere Erfahrung, nicht mehr und nicht weniger. Der andere hat sein Leben, in dem er seine Erfahrungen gemacht hat.

In dem wir ihn mit unseren Ratschlägen "bombardieren", erklären wir uns gleichtzeitig für Experten für sein Leben.Wir erklären unsere Sicht der Dinge als die einzig richtige! Wie wird dies wohl beim anderen ankommen? Könnte es sein, dass er dann zu seinem ursprünglichen Problem, nun noch ein weitere hat: nämlich ein mögliches Gefühl der Unzulänglichkeit, die Dinge falsch zu sehen, und der Einsamkeit ("Keiner versteht mich!")?

Spiegelbild - (c) Viktor Schwabenland/pixelio.de
Ratschläge stammen eben aus der konstruierten Realität eines anderen, der glaubt zu wissen, wie die Welt des anderen aussieht. Wir übertragen unsere Realität auf die Realität des anderen (Psychologie: Projektion) In einer solchen Situation einen Volltreffer zu landen, ist sicherlich eher zufällig.

Wie kann man vorgehen? (auch wenn ich mich mit einer Antwort auf diese Frage in das Dilemma begebe, Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nun dich einen Ratschlag zu geben ;-)....)

1. Hören Sie zunächst zu, was Ihnen Ihr Gegenüber zu sagen hat. Versuchen Sie zu verstehen, wie er die Dinge sieht, warum er sie so sieht. Verstehen heißt ja nicht, dass Sie seine Sichtweise auch akzeptieren und gutheißen müssen. Letzteres könnte uns selbst ja mit dem Problem behaften, dass wir ja durch diese Ausführungen beim anderen vermeiden möchten: nämlich, dass wir nun unsere Weltsicht zu Gunsten der des anderen aufgeben müssten.

2. Fragen Sie anschließend, ob Ihr Gesprächspartner mögliche Lösungsansätze von Ihnen hören möchte. Oftmals wird jedoch Ihr Gesprächspartner, nur dadurch, dass Sie ihm Ihr ernsthaftes Interesse für seine Weltsicht entgegen gebracht haben, schon im Gespräch eigene Lösungsansätze entwickeln. Eine schöne Vorstellung, oder?

In diesem Sinne: In Zukunft viel Spaß beim KEINE Ratschläge geben :-)

Ihr
André Leyens